Die drei Wirkstoffe, die wir führen, gehören zur selben Familie, funktionieren aber nicht gleich. Der Unterschied liegt darin, wie viele Rezeptoren sie aktivieren — und das hat Folgen für Wirkung und Nebenwirkungen.
Kurz zusammengefasst
| Semaglutid | Tirzepatid | Retatrutid | |
|---|---|---|---|
| Rezeptoren | GLP-1 | GLP-1 + GIP | GLP-1 + GIP + Glukagon |
| Gewichtsabnahme in Studien | ca. 15 % in 68 Wochen | ca. 21 % in 72 Wochen | bis zu 24,2 % in 48 Wochen |
| Dosierung | 1-mal pro Woche | 1-mal pro Woche | 1-mal pro Woche |
| Aufdosierung bis zur Höchstdosis | ca. 12 Wochen | ca. 20 Wochen | ca. 16 Wochen |
| Dokumentation | Am umfangreichsten | Umfangreich | Phase 2, nicht zugelassen |
Semaglutid — die erprobte Wahl
Semaglutid aktiviert nur den GLP-1-Rezeptor. Es ahmt das Darmhormon GLP-1 nach: dämpft den Appetit, bremst die Magenentleerung und stabilisiert den Blutzucker. Die Halbwertszeit von etwa 168 Stunden ist der Grund für die Wochendosierung.
Es ist der Wirkstoff mit der längsten Nachbeobachtung und damit dem am besten erfassten Nebenwirkungsprofil. Hast du noch nie GLP-1 verwendet, ist es meist die logische erste Wahl — du weißt, worauf du dich einlässt.
Tirzepatid — stärkere Wirkung, längere Aufdosierung
Tirzepatid ist ein Doppelagonist: Neben GLP-1 aktiviert es den GIP-Rezeptor, was beeinflusst, wie der Körper Fett speichert und verbrennt. In direkt vergleichenden Studien hat Tirzepatid eine stärkere Gewichtsabnahme gebracht als Semaglutid.
Die Kehrseite ist, dass die Aufdosierung mehr Stufen hat — von 2,5 mg bis 15 mg in Schritten von 2,5 mg alle vier Wochen. Es dauert rund fünf Monate, bis du auf der vollen Dosis bist. Viele empfinden die kleineren Sprünge als schonender für den Magen.
Retatrutid — am stärksten, aber am wenigsten erprobt
Retatrutid ist ein Trippelagonist. Neben GLP-1 und GIP aktiviert es den Glukagonrezeptor, was den Energieverbrauch in Ruhe erhöht, statt nur den Appetit zu dämpfen. Das ist der mechanistische Unterschied — die anderen beiden verringern die Aufnahme, Retatrutid erhöht zusätzlich den Verbrauch.
Die Wirksamkeitszahlen sind die höchsten, die in dieser Klasse gemessen wurden. Gleichzeitig ist der Wirkstoff noch in klinischer Prüfung und in keinem Land als Arzneimittel zugelassen. Die Langzeiteffekte sind nicht erfasst.
Eine praktische Sache, die du wissen solltest: Der Glukagonanteil erhöht den Ruhepuls um durchschnittlich 6 bis 8 Schläge pro Minute. Hast du eine bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung oder eine Rhythmusstörung, fang nicht an, ohne vorher mit einem Arzt zu sprechen.
Was passt zu wem?
- Noch nie GLP-1 verwendet — fang mit Semaglutid an. Du bekommst den vorhersehbarsten Start.
- Semaglutid hat zu wenig gebracht — Tirzepatid ist der nächste Schritt, mit Geduld für die längere Aufdosierung.
- Maximale Wirkung gewünscht und dünnere Dokumentation akzeptiert — Retatrutid, mit langsamerer Aufdosierung, als du denkst, dass nötig ist.
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Die Informationen auf dieser Seite sind allgemein und ersetzen keine medizinische Beratung. Wir sind kein medizinisches Fachpersonal. Sprich vor Beginn einer Behandlung mit einem Arzt, besonders wenn du eine bekannte Erkrankung hast oder andere Medikamente einnimmst. Im Notfall ruf 112. Für ärztliche Beratung außerhalb der Sprechzeiten ruf 116 117.
